Bräuche im Kirchenjahr

Fasching, Fastnacht, Karneval

18.01.2023

Die Weihnachtszeit ist vorüber, die Zeit des kirchlichen Jahreskreises hat begonnen. Und da spielt auch der Fasching mit seinen durchaus christlichen Wurzeln eine Rolle.

Der Fasching hat auch christliche Bezüge (Symbolfoto: Andreas Eckhardt, in: pfarrbriefservice.de)
Der Fasching hat auch christliche Bezüge (Symbolfoto: Andreas Eckhardt, in: pfarrbriefservice.de)

Tage der Ausgelassenheit gibt es in jeder Kultur. Im germanischen Frühlingsbrauchtum wurde der Winter in Gestalt einer Strohpuppe mit Peitschen ausgetrieben oder verbrannt.

Die christlichen Wurzeln der Faschingszeit liegen in den Klöstern. Das Fastnachtstreiben war als Gegenwelt zur Fastenzeit konzipiert. Die Bürger haben die Feiern übernommen und der Ausgelassenheit jeweils eine regionale Note gegeben. Dabei bildeten sich unterschiedliche Traditionen heraus, wie zum Beispiel der rheinische Karneval oder der Rottweiler Narrensprung.

Der Begriff „Fastnacht“ erinnert daran, dass in den Nächten vor dem Fasten gefeiert wird. „Fasching“ kommt vom „Fastenschank“, dem letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der früher strengen Fastenzeit. „Karneval“ wird meist vom mittel-lateinischen carnem levare (das Fleisch wegnehmen), scherzhaft auch von carne vale (Fleisch, lebe wohl!) abgeleitet, da früher in der Fastenzeit gänzlich auf Fleisch verzichtet wurde.

 

Der Narr

Das Motiv des Narren ist biblischen Ursprungs (Psalm 53,2). Er verfügt nicht über die richtigen Erkenntnisse und Einsichten, ist vom Weg abgekommen und erkennt Gott nicht in den Werken der Schöpfung. Der Narr als religiöser Antityp ist gekennzeichnet durch die Narrenkappe mit Eselsohren und Schellen und manchmal durch einen Stock mit Narrengesicht, das Narrenzepter, das die eitle Selbstbezogenheit zum Ausdruck bringt.

Sein geflecktes Kostüm weist auf die „Befleckung“ durch die Sünde hin, ein in zwei Farben geteiltes Kostüm bezeichnet seine Verkehrtheit.

Der Narr, der in den Büttenreden auftritt, steht in der Tradition des Hofnarrs. Dieser genießt eine Sonderrolle und kann sich etwas herausnehmen, was man anderen nicht erlauben würde: er verspottet die (politische) Prominenz und sagt ihr die Wahrheit ins Gesicht. Daneben regiert mit dem Prinzenpaar sein närrischer Hofstaat.

Dass diejenigen, die sich sonst wichtig nehmen, im Fasching für eine Zeit entthront werden, ist auch ein christlicher Gedanke.

 

Masken und Verkleidung

Das Wort „Maske“ kommt aus dem Arabischen (mahara) und bedeutet dort Verspottung und Scherz. Im Mittelalter verspottete man die Maskenträger, die mit Hilfe von Tiermasken die sieben Laster darstellten. So stand zum Beispiel der Drache für den Neid, der Löwe für den Zorn oder der Esel für die Trägheit. Die Darstellung der Laster ist ursprünglich ein Vorspiel für die Fastenzeit, in der es um die Reinigung von Sünden und eine vertiefte Distanz zum Bösen geht.

In unserer Zeit steht bei Maske und Verkleidung im Vordergrund, dass man in eine andere Rolle schlüpfen kann und die üblichen Regeln teilweise ausgesetzt sind. Damit ist auch die Frage verbunden, wer man ist oder sein möchte.

 

Faschingszug

Die Wagen des Faschingszuges sind ursprünglich in  Schiffsform gestaltet. Sie stehen für das Narrenschiff, eine mittelalterliche Vorstellung von einem Fahrzeug, das ohne Mast, Segel und Kompass seine Insassen ins Verderben fährt. Dieses Narrenschiff hat als Gegenbild das „Schiff der Kirche“. Deshalb wurde an manchen Orten am Ende der Fasnacht das Narrenschiff auch verbrannt.

(Text: Maria Hohenadel)

Siehe auch

Die kath. Stadtpfarrei St. Anton liegt im Augsburger Stadtteil Antonsviertel, direkt neben dem Wittelsbacher Park.

"MONATSBOTE"

Alle Termine unserer Pfarreiengemeinschaft finden Sie als PDF-Datei in unserem aktuellen Monatsboten.

Termine

Basilika St. Ulrich und Afra (Nordostansicht, Foto: Donata Demartin)

Förderer der Baumaßnahme:

blfd_logo_cmyk