Impulse zur Fastenzeit

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Altarkruzifix in St. Anton (Foto: Archiv St. Anton)
17.02.2021

Die Fastenzeit ist mehr als bloßer Verzicht. Es geht vielmehr um unsere Hinwendung zu Gott, darum also, ihm in diese Wochen näher zu kommen. „Das verändert die Blickrichtung“, empfiehlt unsere Jahrespraktikantin Rebekka Reich.

Liebe Pfarrgemeinde,

ich habe das Gefühl, dass die Fastenzeit in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt hat. Wir arbeiten mehr, sind leichter abgelenkt, essen ungesünder und nehmen uns weniger Zeit für das, was uns wirklich wichtig ist. Da kommt uns doch die Fastenzeit ganz gelegen - endlich wieder ein Anlass, um sich seiner schlechten Angewohnheiten zu entledigen. Wir überlegen, was im Moment für uns gerade dran ist, um darauf in der Fastenzeit zu verzichten. Es soll etwas sein, das uns in dieser Zeit zum Besseren verändert. Das ist eine gute Motivation und ich glaube auch, dass es wichtig ist, wieder bewusster zu leben.

Aber es erinnert mich an das Gebet aus Psalm 51: „Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde! Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, an Brandopfern hast du kein Gefallen. Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.“ (Ps 51,17ff.)

So ist es manchmal auch schon bei mir gewesen, wenn ich mir einen Fastenvorsatz gefasst habe. Ich wollte etwas machen und schaffen. Ich möchte disziplinierter werden und mein Leben neu ordnen. Aber Gott geht es nicht darum, dass ich viel mache und perfekt werde. Ihm geht es um die Haltung, mit der ich auf etwas verzichte. Das verändert die Blickrichtung: Es geht nicht mehr um mich und meine Leistung, sondern dass ich mich zu Gott hinwende, egal wie entfernt ich mich gerade von ihm fühle. Es geht nicht mehr um mich, sondern um ein Du.

Ein Priester hat mal gesagt:

„Großzügigkeit übersteigt die Disziplin.“

Und genau diesen Schritt machen wir, wenn wir uns nicht selbstoptimieren möchten, sondern verzichten für Gott. Wenn ich Geld spende, um einen einfacheren Lebensstil zu haben, dann ist das gut und wird mich verändern. Aber großzügig zu sein bedeutet, ich mache das für DICH.

Die Fastenzeit gibt es nicht, damit ich besonders streng mit mir bin. Wenn ich durch den Verzicht lerne, wieder großzügiger mit anderen zu sein, dann verändert das nicht nur meinen äußeren Lebensstil, sondern mein Herz verändert sich. Ich bin wieder aufmerksamer für das Leid in der Welt, für die Bedürfnisse der Menschen in meiner nächsten Umgebung und ich verzichte nicht mehr, damit ich besser werde, sondern ich möchte damit Gott loben: Gott, ich mache das für dich. Es fällt mir nicht leicht, aber durch den Verzicht merke ich wieder mehr, dass ich von dir abhängig bin.

Hierfür braucht es auch Disziplin und wahrscheinlich wählen wir den gleichen Vorsatz, aber die Haltung mit der wir verzichten, ist eine andere und viel positiver!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit und dass Sie durch Ihren Verzicht Gott näher kommen

Ihre
Rebekka Reich

Siehe auch

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