Ostern - wie es früher war

01.04.2021

Heute verbinden viele Ostern mit Hasen und bunten Eiern. Wir haben uns auf Spurensuche begeben und zwei rüstige Damen gefunden. Sie erzählen uns wie es gefeiert wurde, das Osterfest in der „guten alten Zeit“.

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"Das Osterlämmle war für uns Kinder ganz wichtig", erinnert sich Frau Weiß (Foto: Donata Demartin)

Frau Helga Grimm (84 Jahre) ist eine „waschechte Ulricherin“. Sie ist in der Basilika getauft worden und hat dort ihre Erstkommunion und Firmung empfangen. An die fünfziger Jahre kann sie sich noch sehr gut erinnern, denn diese Zeit des Aufbruchs hat sie als Jugendliche sehr geprägt. „In diese Zeit fiel die Neugestaltung der Osterliturgie“ erzählt Frau Grimm. „Unser damaliger Pfarrer – Prälat Hartmann – fragte uns, was wir Mädchen dazu beitragen können“. Hierzu sei erwähnt, dass es zur damaligen Zeit in St. Ulrich und Afra eine „Mädchenseelsorge“ gab. Zuständig dafür war in der Regel der Kaplan.

„Vielleicht kann sich der eine oder andere noch an Kaplan Alois Deubler erinnern“, erwähnt Frau Grimm. Auf jeden Fall haben sich die Mädchen in den Pfarrgarten aufgemacht und das viele Immergrün „mit den blauen Blumen“ gesammelt. „Es eignete sich gut zum binden“ sagt Frau Grimm. Und so wurden große und kleinere Girlanden gebunden. „Wo wurden diese Girlanden denn befestigt?“ frage ich nach. „Damit wurden das große Weihwasserbecken, die Osterkerze und mehrere andere Gefäße geschmückt“ erzählt sie.

Neben dem Schmücken der Basilika brachte sich die Mädchenseelsorge auch musikalisch ein. „Wir lernten die Choralmesse Lux et origo. Es war für mich wie für alle anderen Mädchen eine große Ehre, auf diese Weise die Osterfeier mitgestalten zu dürfen“ so Frau Grimm.

Etwas merkwürdig – und was sie als Kind nie verstanden hat – war der Karsamstag. „Da wurde vormittags die Auferstehungsfeier begangen. Nachmittags ging es dann zum Heiligen Grab. Da stimmt doch was nicht“ bemerkt Frau Grimm. „Aber wenn ich meine Eltern gefragt habe, warum wir vormittags die Auferstehung feiern und nachmittags dann zum Grab gehen hieß es: Frag nicht viel, des isch halt so“.1

 

Auch Frau Gertraud Weiß (91 Jahre) erzählt aus ihren Kindheitstagen, die sie aber nicht in St. Ulrich – wo sie mittlerweile schon sehr lange zuhause ist – sondern in St. Max verbracht hat.

Frau Weiß empfand die Kar- und Ostertage damals als eine sehr intensive Zeit. Nicht nur in den Gottesdiensten wurde bewusst auf das Osterfest „hingearbeitet“, sondern auch in der Schule hat der Lehrer (zu damaliger Zeit immer der Pfarrer) seine Schüler „zum Auferstandenen“ geführt, wie sie sagt.

Sie erzählt von dem schönen Garten des ehemaligen Franziskanerklosters. Dort befand sich eine Mariengrotte. Diese Grotte wurde in den österlichen Tagen besonders gestaltet. „In einer Zeit, in der man viel entbehren musste, war das schon etwas Besonderes.“

In den Privatwohnungen- und häusern gab es eher wenig Osterschmuck. Aber so sagt Frau Weiß: „Die Leute waren frömmer und mit dem Herzen dabei, das ist mehr wert als jeder Osterschmuck!“

Am Ostertag selbst gab es um 10.00 Uhr eine Kindermette. Jetzt werden Sie sicher denken: Die Kindermette ist doch an Heilig Abend. Ja, das stimmt. Aber damals gab es eine solche Mette auch am Ostertag. Die Kirche war „gerammelt voll“, wie Frau Weiß erzählt. Der Gottesdienst war wichtiger als Geschenke.

„Von wegen Geschenke“ sagt Frau Weiß. „Das war nicht so wie heute, wo Kinder zum Teil Schmuck als Ostergeschenk bekommen.“ Das Ostergeschenk bestand aus dem Osternest, welches in der Kirche gesegnet wurde und danach von den Kindern – so wie heute auch – gesucht wurde. Im Osterkorb befanden sich bunte Eier, ein roter Zuckerhase und das Osterlämmle. „Ja das Lämmle mit seinem Fähnle war für uns Kinder ganz wichtig und wir hatten daran eine sehr große Freude“, so Frau Weiß.

Beide Frauen erzählen aber auch von ein paar alten Bräuchen und Traditionen. Dazu gehört das Osterrätschen am Karfreitag. Heutzutage wird dieser alte Brauch eher noch auf dem Land als bei uns in der Stadt gepflegt. Zu Kinderzeiten von den beiden aber wurde in den jeweiligen Vierteln noch fleißig gerätscht.

In St. Ursula gab es einen ganz besonderen Brauch. Da gab es im Altarraum eine Art Bühne. „Nach der Auferstehungsfeier erhob sich ein Vorhang und der Auferstandene Christus wurde an einem Seil in die Höhe gezogen“, erzählt Frau Weiß mit strahlenden Augen.

 

So war es also mit dem Osterfest in früherer Zeit. Nicht das Materielle stand im Vordergrund, sondern das bewusste Mitfeiern der österlichen Tage. Der Glaube wurde in diesen Zeiten zur „Nahrungsquelle“ und hat diese beiden Frauen sehr geprägt. Vielleicht ist das auch für uns in der heutigen Zeit ein Ansporn, unseren Glauben immer wieder neu zu festigen und in unseren Alltag mit einzubauen.

 

Die Gespräche geführt und zusammengefasst hat Karin Michel. Den Text dieses Beitrags gibt es auch in unserem "Pfarrbrief to go". Er wurde dem Monatsboten beigefügt und liegt auch in unseren Kirchen aus. 

1 Die Auferstehungsfeier verschob sich im Lauf früherer Jahrhunderte immer weiter nach vorne und fand schließlich bereits am Karsamstag-Morgen statt. Erst 1951 hat Papst Pius XII. festgelegt, dass die Feier der Auferstehung des Herrn wieder als Vigil in der Nacht zum Ostersonntag stattfindet, d.h. abends nach Einbruch der Dunkelheit oder frühmorgens vor Tagesanbruch.

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