"Singen, Sache der Liebe"

04.04.2021

"CANTARE AMANTIS EST": „Singen ist Sache der Liebe“, dieses Zitat stammt vom heiligen Augustinus. Leider müssen wir aufgrund der Corona-Situation auf das Singen im Gottesdienst schon seit längerem verzichten. Das ist schade. Gottlob haben unsere Kirchenmusiker Geschick und gute Ideen, die Gottesdienste musikalisch dennoch immer sehr schön zu gestalten.

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Jesus hat das Kreuz auf sich genommen, den Tod überwunden und uns die Tür zum ewigen Leben geöffnet (Foto: Karl-Georg Michel)

Die erste Erwähnung des Singens in der Bibel finden wir beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, beim Exodus. Nachdem das Volk trockenen Fußes durch das Rote Meer hindurchgezogen war und die Verfolgung durch die Ägypter dadurch ein Ende genommen hatte, heißt es: „Damals sang Mose mit den Israeliten dem Herrn dieses Lied:

Ich singe dem Herrn ein Lied,
denn er ist hoch und erhaben.
Ross und Reiter warf er ins Meer.
Meine Stärke und mein Lied ist der Herr,
er ist mir zur Rettung geworden.“

(Ex 15,1ff.)

Der Grund des Singens Israels ist die Erfahrung der Rettung durch den Herrn. Gott hatte sein Volk nicht im Stich gelassen, sondern es in die Freiheit aus der Sklaverei geführt.

In der Osternacht stimmen wir - nach der dritten Lesung - Jahr für Jahr in dieses Lied mit ein. Wir singen es als unser Lied, weil auch wir durch Gottes Macht und Güte „aus dem Wasser“ gezogen sind, zum wirklichen Leben befreit.

Denn die Osternacht führt uns weiter, zu Jesus Christus. Er hat das Kreuz auf sich genommen, den Tod überwunden und uns die Tür zum ewigen Leben geöffnet, zum Leben in Fülle. Die Auferstehung unseres Herrn schenkt uns die Gewissheit, dass das Leben einen Sinn, ein Ziel hat. Die Auferstehung ist der eigentliche Exodus, der Grund unserer Freude und Hoffnung.

Diese große Botschaft Gottes lässt uns jubeln und singen. Wenn ein Mensch vom Licht der Auferstehung berührt wird, vom Leben selbst, von der Wahrheit und der Liebe, dann kann er es nicht für sich behalten, er muss singen. Das Halleluja der Osternacht entspringt dieser Freude. Nach langen Wochen der Fastenzeit, in denen dieser Ruf nicht erklungen ist, wird das Halleluja in der Osternacht feierlich angestimmt - es ist unser neues Lied für den Herrn.

Natürlich gibt es nach wie vor Trauer und Leid; es gibt auch Klagelieder. Aber das Singen, selbst noch in der Not, ist uns deswegen möglich, weil wir immer von der Hoffnung, von der Gewissheit um den Sieg des Lebens umfangen sind.

Geistliche Musik – selbst wenn sie rein instrumental erklingt – ist immer bezogen auf das Heilshandeln Gottes –  dass Gott die Welt und uns Menschen nicht sich selbst überlässt, dass er für uns da ist. Geistliche Musik ist wie Gebet, wie Meditation der großen Taten Gottes zu unserem Heil.

Im Alten Testament war die Gottesbeziehung wohl so stark von der Ehrfurcht vor der ewigen Macht Gottes bestimmt, dass man es kaum gewagt hätte, die Gesänge als Liebeslieder für den Herrn zu sehen; die Liebe zu Gott trat noch scheu und verborgen hervor.

Doch im Neuen Testament kommt das hochzeitliche Geheimnis zwischen Gott und Mensch in Jesus Christus ganz zum Vorschein. In Christus sind wir ein Leib (Eph5,29 -32). Im Sakrament der Eucharistie geschieht die Verschmelzung von Gott und Mensch. Unser Singen ist liebende Antwort auf die Hingabe Jesu Christi für uns. Cantare amantis est - Singen ist Sache der Liebe.

Frohe und gesegnete Ostern wünscht Ihnen

Ihr
Pfarrer Christoph Hänsler

 

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