Michael Widmann verstorben

17.12.2021

Unser Pastoralreferent Michael Widmann ist am Donnerstag, 16. Dezember, nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren verstorben. In einem Nachruf würdigt Pfarrer Christoph Hänsler den Verstorbenen als Menschen, der ihm selbst und vielen Ankerpunkt war.

Liebe Schwestern und Brüder aus der Pfarreiengemeinschaft St. Ulrich und Afra/St. Anton!

Unser Pastoralreferent Michael Widmann ist am Donnerstag, 16. Dezember, nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren verstorben.

Die Nachricht von seinem Tod hat viele bestürzt. Auch persönlich bin ich tief traurig über seinen frühen Weggang.

Michael Widmann war ein außerordentlich gebildeter und belesener Mensch; er hatte theologisch fundiertes Urteilsvermögen. Er war mir und vielen ein Ankerpunkt, auch menschlich und geistlich sehr verbunden. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke und tiefen Schmerz.

Michael Widmann war ein Meister des Wortes. Vielen wurde er durch seine Vorträge bekannt, beim Frauenbund oder bei Glaubenskursen.

Auch Artikel im Pfarrbrief und Monatsboten verfasste er gerne und gekonnt. Noch im November hat er ein geistliches Wort für den Monatsboten verfasst, sein Letztes. Es zeigt die tiefe Verankerung von Michael Widmann im Glauben.

Pfr. Christoph Hänsler

 

Das Requiem feiern wir am Dienstag, 21. Dezember, um 9.15 Uhr in der Basilika. Die Beisetzung wird zu einem späteren Zeitpunkt in Starnberg stattfinden.

Gott schenke ihm den ewigen Frieden!

 

Gerne empfehlen wir Ihnen auch den Nachruf auf der Homepage des Bistums Augsburg.

 

In seinem Text vom Monatsboten im November hat Michael Widmann über den Tod nachgedacht. Nach unserem Tod würde uns etwas unvergleichlich Schönes erwarten, hat er darin geschrieben. „Wenn wir lernen, uns darauf zu freuen, können wir loslassen und ein Leben jenseits von Todesverdrängung und Todesangst führen.“

 

Hier haben wir diesen Text noch einmal in voller Länge dokumentiert:

Liebe Schwestern und Brüder unserer Pfarreiengemeinschaft,

da bekommt einer mit 63 einen Herzinfarkt. Erst nachdem er von der Intensivstation zurück ist, erkennt er, wie ernst es um ihn stand. In einem Interview gesteht der Wissenschaftler und Publizist ganz offen, er hätte es bis dahin nicht für möglich gehalten, dass er sterben könnte. Jetzt erkennt der Soziologe, er heißt Harald Welzer, dass der Tod in unserer Gesellschaft „etwas Exotisches geworden“ ist. „In vormodernen Zeiten“, sagt er, „war der Tod allgegenwärtig. Es war an der Tagesordnung, dass Kinder und Frauen im Wochenbett starben. Mit der Verdrängung der Endlichkeit haben wir auch das Gefühl dafür verloren, was unser Leben ausmachen sollte.“

Wir Katholiken sollten uns glücklich schätzen, dass wir alljährlich mit Allerheiligen und Allerseelen den November beginnen. Auch unsere evangelischen Brüder und Schwestern begehen den letzten Sonntag vor dem Advent als Totensonntag. Als staatlicher Gedenktag der Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen dient der Volkstrauertag am Sonntag vorher. Auch wenn die Tage in jedem Kalender stehen, scheinen sie in einer Gesellschaft, in der Kirchen und Traditionen an Bedeutung verlieren, nicht mehr viel zu bewirken.

Harald Welzer sieht aber in den derzeit allgegenwärtigen Themen Klimawandel und Pandemie den Anstoß für viele Menschen, „unser Leben nicht mehr so zu führen wie vorher: als ob wir nicht sterben müssten.“ Von sich sagt er nach dem Herzinfarkt: „Ich überlege mir jetzt genauer als vorher, wie ich vor meinem Tod gelebt haben möchte.“

Diese Frage müssen wir als Christen nicht allein beantworten. Glaube und Lehre der Kirche bieten uns eine Orientierung an. Im Gebet und im Empfang der Sakramente verbinden wir uns mit Gott. Wir glauben, dass uns ein solches Leben nach unserem Tod in die Liebe Gottes eingehen lässt.

Der Protestant Gerhard Tersteegen hat vor 300 Jahren, also ganz „vormodern“ und immer wahr, gedichtet:

„Ein Tag, der sagt dem andern,
mein Leben sei ein Wandern
zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne,
mein Herz an dich gewöhne,
mein Heim ist nicht von dieser Zeit.“

Tatsächlich könnte dieser November Anlass sein, nicht nur darüber nachzudenken, wie wir vor unserem Tod leben wollen, sondern uns darüber im Klaren zu werden, dass uns nach unserem Tod etwas unvergleichlich Schönes erwartet: Vom „Morgenglanz der Ewigkeit“ spricht ein Kirchenlied. Wenn wir lernen, uns darauf zu freuen, können wir loslassen und ein Leben jenseits von Todesverdrängung und Todesangst führen.

Das wünscht uns allen
Michael Widmann, Pastoralreferent

 

Siehe auch

Die kath. Stadtpfarrei St. Anton liegt im Augsburger Stadtteil Antonsviertel, direkt neben dem Wittelsbacher Park.

"MONATSBOTE"

Alle Termine unserer Pfarreiengemeinschaft finden Sie als PDF-Datei in unserem aktuellen Monatsboten (24.12.-31.01.)

Termine